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Der Likedeeler Hof von Bauer Lars

Im Schleswig-Holsteinischen Steenfeld liegt der Likedeeler Hof direkt am Nord-Ostseekanal. Vom großen Hofvorplatz aus kann man die großen Schiffe sehen, die sich langsam vorbeischieben. Der Kanal zwischen Kiel und Brunsbüttel gilt als die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt – wovon man auf dem beschaulichen Hof mit den historischen Gebäuden allerdings kaum etwas mitbekommt.

Als der Kanal zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt wurde, bewirtschaftete Lars‘ Familie bereits seit mehreren Generationen das Land um den Hof. Seit er den Familienbetrieb vor sechs Jahren übernommen hat, arbeitet er nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes. Die Milchkühe, die dort früher gehalten wurden gab es zum Zeitpunkt der Übernahme schon nicht mehr, was den Weg für neue Betriebszweige frei machte.

Gemeinsam mit dem befreundeten Bioland-Milchbauern Hauke Möller aus dem nahe gelegenen Wacken entwickelte er ein Konzept, den männlichen Nachwuchs der Milchkühe vor dem Weg zum Viehhändler zu bewahren. (Dieser endet für die meisten Kälber aus der Milcherzeugung in der konventionellen Kälbermast, zu der wir an anderer Stelle schon einiges geschrieben haben.)

Lars übernimmt die männlichen Kälber von Hauke im Alter von etwa sechs Monaten. Dann sind sie von der Milch der Mutter entwöhnt und bereit für den Umzug. Nach einer Eingewöhnungszeit bei ihm werden die Jungbullen kastriert und wachsen von nun als Ochsen auf. Durch die Kastration und die dadurch bedingte hormonelle Umstellung wachsen die Ochsen langsamer als sie es ohne die Kastration täten, sind gleichzeitig aber sehr viel friedlicher untereinander und auch im menschlichen Umgang (weitere Infos zu Bullen, Ochsen und Färsen gibt es hier).

Lars‘ Ziel mit seiner Arbeit ist auch, die Landwirtschaft möglichst vielen Menschen näher zu bringen. Durch seine „Beteiligungslandwirtschaft“ ermöglicht er Menschen, Einfluss darauf zu nehmen, wie Landwirtschaft betrieben wird und schafft so die Möglichkeit, dass seltene Kartoffelsorten oder auch alte Rinderrassen wie das Fjällrind, die sonst in der modernen Landwirtschaft keine Chance haben, auf dem Hof einen Platz finden. 

Eine weitere Leidenschaft ist die Naturschutzarbeit, durch die er auf den 60 Hektar des Betriebes viele Möglichkeiten für Tier- und Pflanzenarten schafft, die es in der modernen Kulturlandschaft schwer haben.