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Hofgemeinschaft Weide-Hardebek

Um zu erklären, warum hier im Osterautal die kleinste Rinderrasse Europas weidet, müssen wir erstmal zeigen, was das Osterautal so besonders macht:

Das Naturschutzgebiet Osterau

Der kleine Fluss Osterau ist in Schleswig Holstein einer der wenigen Flüsse, der noch große naturbelassene Abschnitte aufweist, und in der Vergangenheit nicht (vollständig) begradigt wurde. Die Osterau zählt zu den zehn schützenswertesten Gewässern Deutschlands, und wurde wegen ihrer vielfältigen Flora, Fauna und Lebenräumen als Naturschutzgebiet in den europäischen NATURA 2000 Katalog aufgenommen. Infolgedessen wurden zum Beispiel alte Wehre durch Fischtreppen ersetzt, sodass für wandernde Fische wieder eine Fluss-Verbindung zur Nordsee besteht.

Die Beweidung

Um die Auen und Moorflächen entlang der Osterau vor Umwelteinflüssen zu schützen, und dafür zu sorgen, dass die Gebiete offene Auen bleiben, werden diese Gebiete nach dem Prinzip der „Halboffenen Weidelandschaft“ gepflegt. Mit anderen Worten: Ackerbau ist nicht möglich, Beweidung ist nötig. Flussauen sind nun aber feuchte, weiche Böden und daher sehr trittsensibel. „Normale“ Rinder wären zu schwer für den Boden, sie würden zu tief einsinken und die Grasnarbe kaputt treten. Und deswegen weidet hier die kleinste und leichteste Rinderrasse Europas: Die Dexterrinder.

Rinderrasse Dexter

Dexter stammen aus Irland, und sind eine Kreuzung aus wilden irischen Bergrindern und einer Milchviehrasse. Durch den Einfluss der Bergrinder sind die Dexter nicht nur besonders klein, sondern auch robust und kommen auch mit weniger Futter zurecht. Als im Sommer 2018 das Gras und Heu durch die Trockenheit knapper wurde, konnten die Dexterrinder gut damit umgehen. Die Rasse ist natürlich alles andere als ein Hochleistungsrind für den Massenmarkt. Ein Dexterrind ist (laut Wiki) etwa ein Drittel so groß wie eine Holstein-Friesen-Milchkuh (die „typische“ schwarzweiß gefleckte Milchkuh). Deswegen stand die Rasse in den 60/70er Jahren kurz vor dem Aussterben. Dank engagierter Züchter hat sich der Bestand wieder erholt, Dexter sind aber immer noch eine seltene Rasse.

Der Hof

Die Hofgemeinschaft Weide-Hardebek ist eine Lebens und Arbeitsgemeinschaft auf landwirtschaftlicher Grundlage. Drei biologisch-dynamisch geführte Höfe und ein Atelier bilden den Lebens- und Arbeitsmittelpunkt für über 100 Menschen. Außer den Wohnhäusern und den Ställen gibt es eine kleine Hofbäckerei, den Hofladen, und einige Gewächshäuser für den Gemüseanbau.

Die Rinder in der Kreislaufwirtschaft

Fionn und Arne organisieren die Tierhaltung. Als Demeter-Landwirte halten sie bei der Bewirtschaftung die strengen Regeln der Kreislaufwirtschaft ein. Für ihre Tierhaltung bedeutet das, es werden nur so viele Rinder gehalten, wie der Hof selbst mit Gras und Heu füttern kann. Etwa 60-70 Rinder sind es hier auf dem Hof Weide. Der Mist der Rinder wird dann als Dünger den eigenen Feldern zurückgeführt. Die über 70 Feldfrüchte der Hofgemeinschaft gehen an den Großhandel und versorgen im Rahmen einer solidarischen Landwirtschaft 50 Familien in Neumünster.

Die Herde

Die Herde wird vom Bullen Peter zusammengehalten. Peter ist ein aufmerksamer Bursche, der uns sofort freundlich. aber bestimmt, begrüßt. In kaum einer Herde haben wir einen so wachsamen Bullen erlebt. Auch in der Herde: Der Hausesel. Schon 14 Jahre, bringt aber durch seine Neugier ordentlich Schwung in die sonst eher gemütliche Herde.

Die Tierhaltung

Die Jungtiere bleiben bei der Mutterkuh und lernen ein natürliches Sozialverhalten. Den Winter verbringen Färsen und Ochsen auf der Weide, die Mutterkühe und Kälber überwintern im Stall. So können die Geburten und die Gesundheit von Kälbern und Mutterkuh gut überwacht werden. Hintergrund ist aber auch, dass die feuchten Naturschutzflächen im Winter nicht belastbar sind und die Anzahl der Rinder auf den Flächen gut organisiert werden muss. Außerdem braucht die Hofgemeinschaft genug Mist für den Ackerbau, und der kann nur im Stall gewonnen werden. Der Stall wurde 2017 neu erbaut, und ist ein luftiger, offener Stall mit viel Platz für die Tiere und ihre Hörner. Die Rinder liegen hier auf Stroh und fressen hofeigenes Heu.

Hörner

Als Demeter-Betrieb ist auch wichtig, dass die Rinder Hörner tragen, damit das Horn der Tiere für die Bodenfruchtbarkeit eingesetzt werden kann. Seit letztem Jahr wird auch die ursprüngliche Verteidigungsfunktion der Hörner wieder wichtiger: In der Nähe der Hofgemeinschaft werden immer häufiger Wölfe gesehen – da sind ein paar Hörner auf dem Kopf ganz hilfreich, um die Kälber in der Herde zu schützen.